Ein Tatsachenbericht von unserer Freundin Sylvia Lietsch - Heilpraktikerin in Eibau

Bild Uhu - Urheber: jarek106„Na hallo, du Uhu. Kennst du mich noch?

„Na hallo, du Uhu. Kennst du mich noch? Vor ein paar Wochen hatte ich dich schon einmal auf meinem Arm.“
Der Vogel blinzelt und dreht seinen Kopf nach hinten. Ein Windstoß fährt durch das Gefieder und plustert es auf. Es sieht aus, als würde der Uhu auch noch seine Ohren anlegen, um sie vor dem Wind zu schützen.

Nein, heute kann ich nicht zu ihm. Eine Absperrleine hält mich auf Distanz mit dem Jäger der Nacht. Ich respektiere diesen Abstand zwischen uns, rede aber immer noch auf den großen Vogel ein. Der Uhu posiert für ein paar Fotos, dreht den Kopf, blinzelt mit den großen Augen, die aussehen, als hätte man zwei große Bernsteine in die Federngedrückt.

„Bis später, du Uhu!“ verabschiede ich mich einstweilen und verschwinde hinüber auf die sich langsam mit Menschen füllenden Bänke - die erste Flugshow des Jahres der Greifvogelwarte. Ich liebe es, nah bei den Falken, Adlern und den Eulen zu sein. Und wieder einmal bedauere ich, nicht mehr Zeit zu haben, um öfter nach den Greifen zu sehen.

Wie immer zu Beginn der Show wird viel über die Tiere erzählt, anschließend gehen die Falkner durch die Reihen. Ja, auch der Uhu wird durch die Menschenmenge getragen. Ich habe mir eine Position gesichert, von der ich ungestört fotografieren kann. Und auch an meine einsame Stelle kommt der Falkner.

Wieder schaue ich dem Uhu in die Augen. „Na, darf ich dich anfassen?“ frage ich den großen Vogel. Anstelle des Uhus antwortet der Falkner.: „Ich glaube nicht. Er hat heute schlechte Laune.“ Trotzdem hebe ich meine Hand. Der Uhu schaut mich immer noch mit seinen großen Augen an, lässt es zu, dass ich meinen Handrücken an die weichen Federn unter seinem Kopf lege und vorsichtig darüber streiche. „Wie weich deine Federn sind.“ flüstere ich dem Vogel zu und halte meine Hand noch einmal an seinen Hals.

Da packt der Uhu mit seinem Schnabel zu. Der Falkner grinst. „Ich habe doch gesagt, er hat heute seinen schlechten Tag.“

Der Uhu zerrt an meiner Hand. Er hat genau in die weiche Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger gepackt. „Die ist bestimmt frisch gelocht, wenn er losgelassen hat.“ erwidere ich dem Falkner. Ich lasse die Kamera los. Sie hängt am Band und klatscht gegen meinen Bauch. Mit der frei gewordenen Hand streiche ich dem Uhu über den Kopf, den er immer noch gesenkt hat und mit dem er an meiner Hand wie an einer Beute hin und her zerrt.

Mit soviel Kaltblütig hat der Uhu wohl nicht gerechnet. Fast erschrocken lässt er meine Hand los Schaut mich kurz an, dreht den Kopf zu seinem Falkner, so als wolle er ihn fragen 'Was traut die sich denn.'

„Schön, dass du die Hand drangelassen hast, du Uhu“ sage ich, als sich der Mann zum weitergehen herumdreht. Ich schaue auf meine Hand. Nein, kein Tropfen Blut, nur etwas rot ist die Stelle. Nun ja, so schlimm war der Biss des Uhus nun auch wieder nicht.

Wieder zuhause angekommen, ist das längst vergessen. Ich widme mich dem Rest der liegengebliebenen Hausarbeit, putze noch ein Fenster und widme mich dann zähneknirschend der angefangenen Steuererklärung. Was für ein würdiger Abschluss eines Sonntags. Irgendwann, später als vorgenommen, falle ich in mein Bett. Der letzte Gedanke geht noch einmal zurück zum Uhu.

Aus dem Kopf des Vogels wird das Gesicht eines Nachrichtensprechers. Hinter ihm prangt ein großes Bild, eine Landkarte. Dann ein Laufband - neuer Stamm der asiatischen Vogelgrippe in Ostsachsen. Der Sprecher sagt: ... und soeben erreicht uns noch folgende Meldung: Es mehren sich ernstzunehmende Hinweise auf den Ausbruch eines neuen Stammes der asiatischen Vogelgrippe, erstmals aufgetreten im Umkreis von Zittau.

Es handelt sich offenbar um den gentechnisch veränderte Typ E13AU, welcher von ungewöhnlich bissigen Uhus auch auf den Menschen übertragen werden kann. Seriösen epidemiologischen Quellen zufolge klagen die Betroffenen zuerst über starke Müdigkeit und leichte Schnarchgeräusche, besonders in Gegenwart von männlichen Perserkatzen. Später empfinden sie Erleichterung, dass aus der feuerroten und dicken Bissstelle keine Uhufedern wachsen.

Spezifische Leitsymptome des neuen Virentypes sind das zunehmende Auftreten von Artikulationsstörungen beim Schreiben wie z. B. „Haden miften“ sowie im Endstadium schwere Halluzinationen von häuslichem Tun wie Fenster putzen oder Gardinen waschen. Sogar ein Fall von krankhafter Steuererklärung wird berichtet.

Momentan arbeiten weltweite Forschungsteams unter Hochdruck an der Entwicklung eines hochwirksamen Antidots auf der Basis von Aronstab-Extrakt. Allerdings sind bisher noch keine Details darüber zu erfahren, da sämtliche verfügbaren Informationen der Geheimhaltung „Level XXX“ top secret unterliegen.

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Das Männergesicht verschwindet, wird wieder zum Uhu. Von lauten Schnarchgeräuschen wache ich schweißgebadet auf. Neben mir liegt ein weißer Uhu. Nein! Es ist Karli und er blinzelt mich verwirrt an. Ich schaue auf meine Hand, sie ist dick und feuerrot. Erleichterung bei mir: keine Uhufedern.

Oh! War das nicht ein Hauptsymptom? Ob ich jetzt diese neue Vogelgrippe habe?

 

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